Archiv für Juli 2013

Verlegung Gedenkplatte für Frank Bönisch

„Zur Erinnerung und Mahnung“
Gedenkplatte in Koblenz verlegt

70 Menschen waren dabei als heute am 29. April die Gedenkplatte in den Boden eingelassen wurde. Sie erinnert an den Mord an Frank Bönisch, der am 24.08.1992 von einem Neonazi erschossen wurde. Weitere Menschen wurden angeschossen und teilweise schwer verletzt.
Einleitende und abschließende Worte gab es vom Koblenzer Kulturdezernenten. Ebenso redete ein Vertreter der Initiative, eine Vertreterin des DGB, ein Sozialarbeiter des Haus Metternich und ein Jugendlicher.

Die Initiative Kein Vergessen freut sich sehr, dass die Stadt sich ihrer Forderung nach einem Ort des Erinnerns angeschlossen hat.

Die Gedenkplatte befindet sich vor dem zukünftigen Eingang des Kulturbaus vor der Grünflache mit den Sitzbänken.
Die Inschrift:
„Hier ermorderte am 24.08.1992 ein rechtsradikaler Täter den Obdachlosen Frank Bönisch und verletzte mehrere Menschen. Zur Erinnerung und Mahnung“

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Artikel in der Rhein-Zeitung über die Verlegung der Gedenkplatte

Redebeitrag Heribert Boettcher

Gegen das Vergessen des Mordes an Frank Bönisch

Wir haben nicht vergessen, dass Frank Bönisch vor 20 Jahren mitten in Koblenz auf dem Zentralplatz von einem Neonazi erschossen wurde. Dabei waren weitere Menschen angeschossen worden. Die sog. Öffentlichkeit gibt sich schnell mit Einzeltätern zufrieden. Wir aber haben nicht vergessen, dass vor 20 Jahren in Deutschland monatlich im Durchschnitt 300 rechtsextremistisch motivierte Überfälle registriert wurden1. Sie richteten sich gegen Andersartige und Schwache. Es fiel auf, dass die Zahl der Übergriffe auf Wohnungslose stieg. Im Focus aber standen vor allem Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl suchten.

Wir haben auch nicht vergessen, dass in Deutschland unter den Vorzeichen neoliberaler Reformen eine Welle des Sozialabbaus durchgesetzt wurde. Sie war flankiert von der Debatte um die Änderung des Asylrechts. Dabei wurden Flüchtlinge unter den Generalverdacht des Missbrauchs des Asylrechts gestellt. Politiker und Presse stigmatisierte sie zu Wirtschaftsflüchtlingen und Scheinasylanten. Befriedigt konnte der damalige Vorsitzende der NPD feststellen:

„Die Diskussion um das Asylrecht nähert sich mit Riesenschritten der Argumentationsebene der NPD.“2

Die Änderung des Grundgesetzes, die der faktischen Äbschaffung des Asylrechts gleichkam, gab der NPD ebenso wie dem in der Mitte der Gesellschaft verankerten und politisch bedienten Rechtsextremismus – ganz wörtlich – ‚Recht’.

Die rot-grüne Bundesregierung verfolgte mit der Förderung der Zuwanderung eine vermeintlich ausländerfreundlichere Politik. In einem Faltblatt der Bundesregierung war zu lesen:

„Wohlstand und Arbeit in Deutschland sind an die internationale Wettbewerbsfähigkeit gebunden. Für erstklassige Produkte, innovative Technologie und hoch entwickelte Forschung braucht man die besten Köpfe der Welt. Viele davon haben wir im eigenen Land. Aber wir brauchen auch Spezialisten aus anderen Teilen der Welt…“3

Im gleichen Faltblatt wurde angekündigt:

„Mit einer Vielzahl von Maßnahmen wird der Aufenthalt ausreisepflichtiger Ausländer effektiver und schneller beendet.“4

Damit folgte ‚Rot-grün’ der Logik, die der ehemalige bayrische Ministerpräsident Beckstein so beschrieben hatte: „Wir brauchen weniger Ausländer, die uns ausnutzen, und mehr, die uns nutzen.“5

Was aber hat nun die Ausländer- und Flüchtlingspolitik mit der Ermordung Frank Bönischs auf dem Koblenzer Zentralplatz zu tun?

Gegen Flüchtlinge und Migranten wird – so formulierte der im Juli verstorbene Philosoph und Kapitalismuskritiker Robert Kurz –

„in aller Offenheit exekutiert, was die innerste Logik des Kapitalismus überhaupt ist: die Tendenz nämlich, den Menschen auf seine ‚ökonomische Nützlichkeit’ als Verausgabungseinheit von rentabler Arbeitskraft und ‚Leistung’ zu reduzieren. Was an den eigenen Staatsbürgern noch nicht mit letzter Konsequenz möglich ist, nämlich nur die rentabel vernutzbare Leistungsmaschine Mensch als Mensch ‚anzuerkennen’, nicht aber die aktuell unbrauchbaren Kinder, Alten und Kranken oder sonst wie nicht Leistungsfähigen, das tritt bei der Behandlung von Migranten mit aller Brutalität zu Tage.“6

Kapitalismus beruht auf der Verausgabung von Arbeit für den irrationalen Zweck der Vermehrung des Geldes um seiner selbst willen. Mit ihm ist untrennbar die Herrschaft der Arbeit verbunden. In ihrer Logik wird eine Trennungslinie zwischen Arbeitenden und Nicht-Arbeitenden, zwischen Verwertbaren und Überflüssigen, zwischen sog. Leistungsträgern und zu alimentierenden Kostenfaktoren gezogen. Die Krise des Kapitalismus ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass der Staat in der Logik kapitalistischer Krisenverwaltung nun auch die eigenen Staatsbürger in Verwertbare und ‚Überflüssige’ trennt.

In der Krise wird diese Selektion immer brutaler exekutiert. Die Verwertbarkeit als Arbeitskraft entscheidet darüber, wer dazu gehört und wer als ‚überflüssig’ an den Rand der Gesellschaft ‚abgeschoben’ wird. Aber auch diejenigen, die über Hartz IV von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen werden, bleiben unter der Herrschaft der Arbeit eingeschlossen. Sie müssen sich unter Androhung des Entzugs der materiellen Grundlagen ihrer Existenz in Dauerbereitschaft für die Verwertung ihrer Arbeitskraft halten. Es ist absurd. Der kapitalistische Produktivitätsfortschritt entsorgt wert schöpfende Arbeit und hält auch noch in deren Niedergang mit aller Macht an der Herrschaft der Arbeit fest. Ihr können selbst die nicht entkommen, deren Arbeit nicht mehr verwertet werden kann.

Die Verlierer in der Selektion um die Verwertung der Arbeit sehen sich – wie vor 20 Jahren die Flüchtlinge – unter den Generalverdacht von Faulheit, Leistungsverweigerung und des Missbrauchs sozialer Leistungen gestellt. Der ehemalige Wirtschaftsminister Clement schreckte nicht einmal vor Vergleichen mit Parasiten zurück: „Biologen“ – so ließ er verlauten – verwenden für ‚Organismen’, die … zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer leben, übereinstimmend die Bezeichnung ‚Parasiten’.“7

Rechtsextremismus als Selektion und Abwertung der Selektierten sowie derer, die als bedrohlich erscheinen, nur weil sie anders sind, agiert sich an den Rändern der Gesellschaft aus, hat aber seine Wurzeln in der Mitte der Gesellschaft. Ein Alarmzeichen dafür ist die Studie zu ‚Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit’ in Deutschland. Sie verzeichnet eine deutliche Zunahme rassistischer Einstellungen. Ihre Wurzel ist eine ‚Ideologie der Ungleichwertigkeit’. Sie wird konkret in der Abwertung schwacher Gruppen, in Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt. Ihr Nährboden ist die Wirklichkeit sozialer Ungleichheit, die in unserer Gesellschaft zum Normalzustand geworden ist.

Die Ressentiments richten sich vor allem gegen Langzeitarbeitslose. Noch unter ihnen rangieren die Obdachlosen. In Koblenz werden sie von der Initiative ‚Alle lieben Koblenz’ sowie vom Leiter des Ordnungsamtes verhöhnt und unter Anwendung der Gefahrenabwehrverordnung aus der Innenstadt vertrieben.8

„Rohe Bürgerlichkeit“ nennt die Studie solche Haltungen. Bei ihnen geht es – so wörtlich – „um die Sicherung bzw. Steigerung eigener sozialer Privilegien durch Abwertung und Desintegration volkswirtschaftlich … Nutzloser sowie um kulturelle Abwertung anderer…“

„Wer vom Faschismus redet, darf vom Kapitalismus nicht schweigen.“ Dieses Max Horkheimer zugeschriebene Wort wird in der Krise des Kapitalismus immer brisanter. Wer analytisch tiefer sieht, kann erkennen, dass der Kapitalismus strukturell mit Antiziganismus und Antisemitismus verbunden ist. Im Hass auf Zigeuner und im Hass auf Juden verbindet sich der Hass auf Nicht-Arbeit.

Das Bild des Zigeuners erinnert an ein „Leben ohne Arbeit“. Zugleich werden Zigeuner als minderwertig und bedrohlich stigmatisiert. Dieses Bild grenzt nach unten ab und macht deutlich, wohin ein Leben ohne Arbeit führt.

Das Bild des Juden steht für „Lohn ohne Arbeit“. Mit diesem Bild kann zwischen dem bösen, weil ohne Arbeit raffenden und dem guten, weil durch Arbeit schaffendem Kapital unterschieden und der schaffende Kapitalismus gegen den Casinokapitalismus ausgespielt werden. Im modernen kapitalistischen Antisemitismus sind aus dem ‚Gottesmörder’ die ‚Geldmonster’ geworden.9 Und Geld regiert bekanntlich die Welt.

In den Focus der Kritik zu rücken wäre die abstrakte Herrschaft der auf der Verausgabung von Arbeit beruhenden Verwertungsmaschinerie des Kapitals. In der sich zuspitzenden Krise des Kapitalismus könnte es leichter erscheinen, die Welt vor ‚Juden’ und ‚Zigeunern’, den vermeintlichen Bedrohungen ‚von oben’ und ‚von unten’, zu ‚retten’.

Wer Rechtsextremismus bekämpfen will, wird sich mit dem Kapitalismus und seiner Zerstörungsdynamik beschäftigen müssen. Wer meint, den Kapitalismus ausblenden und ohne Reflexion des Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft gegen Rechtsextreme an den Rändern der Gesellschaft demonstrieren zu können, bleibt in der Gefahr, in der Rolle des Biedermanns gegen den Brand zu protestieren, den er selbst mit legt.

Wer Rechtsextremismus bekämpfen will, darf ‚den Rechten’ nicht Recht geben – weder durch Rechtsprechung noch durch eine Gesetzgebung, die Diskriminierung und Ungleichheit fördert.

Widerstand ‚gegen Rechts’ muss ‚rechten Gesinnungen’ die Stirn bieten – allen Haltungen und Meinungen, die Menschen diskriminieren, stigmatisieren und auf ihre Nützlichkeit reduzieren. Er muss sich dagegen wehren, dass Menschen individuell für das Versagen des Kapitalismus verantwortlich gemacht werden. Wer Systemversagen in individuelles Versagen umdeutet, trägt dazu bei, die Sündenböcke zu präsentieren, an denen sich dann ‚rechte Gewalt’ ausagieren kann.

Wer die Würde des Menschen verteidigen will, muss die Würde der Langzeitarbeitslosen, die Würde der Obdachlosen, die Würde der im Meer ertrinkenden Flüchtlinge verteidigen, kurz die Würde all derer, die von der kapitalistischen Krisenverwaltung unter Finanzierungsvorbehalt gestellt und der Logik der Gefahrenabwehr unterworfen werden.

  1. Vgl. Roland Appel, Die Asyl-Lüge: Was tun, wenn ein Grundrecht demontiert wird? in: Roland Appel/Claudia Roth (Hg.), Die Asyl-Lüge. Ein Handbuch gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, Köln 1992, 12 – 58, 37. [zurück]
  2. Zitiert nach Pax Christi, Basisgruppe Koblenz (Hg), Abschiebung aus der „Stadt zum Bleiben“. Von Koblenz in die Türkei und mit Züblin zurück auf den Zentralplatz, Koblenz 2007, 178. [zurück]
  3. Ebd., 219. [zurück]
  4. Ebd., 220. [zurück]
  5. Ebd. 219. [zurück]
  6. Robert Kurz, Weltordnungskrieg. Das Ende der Souveränität und die Wandlungen des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung, Bad Honnef 2003, 227. [zurück]
  7. Zitiert nach Fachkonferenz Sozialpastoral im Dekanat Koblenz (Hg.), „Koblenz in der Zwangsjacke – Armut wird verwaltet, Großprojekte treiben in die Schuldenfalle“. Texte der Veranstaltung zum Abschluss der Wanderausstellung „Der Armut in Koblenz ein Gesicht geben“, 8. [zurück]
  8. Vgl. Pax Christi-Basisgruppe Koblenz u.a., Klartext Koblenz von unten, Dritte Ausgabe, März 2012, 2f., 28. [zurück]
  9. Vgl. Robert Kurz, Geld ohne Wert. Grundrisse zu einer Transformation der politischen Ökonomie, Berlin 2012, 127. [zurück]

Kundgebung 2011

Flyer:
Flyer

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Artikel der Rhein-Zeitung im Vorfeld der Kundgebung

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Bericht und Fotos auf Indymedia

Demo 2012

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Pressemitteilung

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Artikel der Rhein-Zeitung über die Kundgebung

Material

Hier findet ihr verschiedenene Materialien wie Zeitungsartikel, die sich mit dem Mord an Frank Bönisch und der Initiative Kein Vergessen beschäftigen:

Interview mit der Initiative Kein Vergessen und dem Polit-Cafe Azzoncao über antifaschistische Erinnerungsarbeit an wohnungslose Opfer rechter Gewalt.
Erschienen in Lotta – Antifaschistische Zeitschrift aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen
Interview Lotta

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Artikel von Heike Kleffner in der ZEIT über Erinnerungsarbeit an Opfer rechter Gewalt, der sich auch mit Frank Bönisch und unserer Initiative beschäftigt
Zeit Artikel

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Artikel aus der Rhein Zeitung über den Mord an Frank, der versucht die Ereignisse aus dem Jahr 1992 zu rekonstruieren.
Artikel Rhein-Zeitung

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Artikel aus der Rhein-Zeitung über den Mord an Frank und die Gründung der Initiative Kein Vergessen. Auf der Seite findet ihr auch eine Bilderstrecke mit Fotos vom August 1992.

Veranstaltungen

Eine kleine Sammlung von Veranstaltungen, die im Laufe der Zeit von der Initiative Kein Vergessen organisiert und durchgeführt wurden

08.12.2011
Infoveranstaltung und Filmvorführung „The truth lies in Rostock“ im JAM

Ankündigung Blog der Politischen Bildung Universität Koblenz

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29.05.2011
Infoveranstaltung im JAM

stand_up

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22.06.2012
Infoveranstaltung mit Heike Kleffner und Steg e.V.

VA

Stadtführung zu Stolpersteinen

Am Samstag, 18. August 2012 hat die Initiative Kein Vergessen zu einer Stadtführung zu Stolpersteinen in Koblenz eingeladen. Die Stolpersteine erinnern an Mitbürgerinnen und Mitbürger, die im Nationalsozialismus ermordet wurden. In Koblenz sind knapp 90 Stolpersteine verlegt.

Ein Bericht und Fotos folgen…

Gedenkdemonstration am 24.08.2012

Flyer:
Flyer

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Aufruf

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Bericht und Fotos auf Indymedia Linksunten

Demo 2012

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Redebeiträge:
Rede von Heribert Böttcher

Kampagnenaufruf 2011

Gegen das Vergessen – ein Mord und siebenfacher Mordversuch in Koblenz 1992 parallel zu den Pogromen in Rostock

Die Tat
Am 24. August 1992 kam es in Koblenz zu einem traurigen Höhepunkt rechter Gewalt: Mit den Worten „Jetzt knall ich euch alle ab“ wurde am Zentralplatz mit einem Revolver der Marke „Smith & Wesson“ auf eine Gruppe Menschen geschossen. Frank Bönisch wurde von Kugeln tödlich getroffen, einem zweiten Mensch wurde in den Bauch geschossen, einem weiterem in den Kehlkopf. Einen Tag vorher, am 23. August, hatte der Täter die Tat in einer Kneipe angekündigt. Er nahm die Ereignisse in Rostock zum Anlass, jetzt auch in Koblenz loszuschlagen. Seine Ankündigung wurde jedoch nicht ernst genommen.
Vom 22. bis 26. August fanden in Rostock Pogrome statt, die weltweit Schlagzeilen machten, als ein rassistischer Mob mit Unterstützung von AnwohnerInnen ein Wohnheim für AslybewerberInnen über mehrere Tage hinweg angriff.

Die Betroffenen
Die Betroffenen waren Menschen, die sich 1992 am Zentralplatz aufhielten: Wohnungslose, Punks, Alternative und Junkies. Für den Täter hatten diese Menschen kein Lebensrecht. Das Gericht stellte später im Prozess fest, dass der Täter „aus Hass auf Obdachlose/Sozial Randständige“ gehandelt habe. Genau diese Gruppen von Menschen werden und wurden in dieser Gesellschaft diskriminiert und ausgegrenzt.

Der Täter
Der Täter kam aus dem Umfeld der damaligen Koblenzer Nazi-Organisation „Deutsche Front Coblenz“ und hatte den Szenenamen „Deutscher Andy“. Die DFC war wegen brutaler Übergriffe überregional bekannt. Der Täter gehörte nicht zum harten Kern, sondern war eher eine Randfigur und wollte sich mit der Tat bei den anderen beweisen. Der Zeitpunkt der Tat ist dabei kein Zufall: 1992 war der traurige Höhepunkt der nationalistischen Aufbruchstimmung nach der „Wende“ und der Täter hielt die Zeit für reif, um auch in Koblenz loszuschlagen.

Das politische Klima
Der Mord in Koblenz geschah in der Zeit der nationalistischen Aufbruchstimmung der frühen 1990er Jahre. Die Pogrome Ende August 1992 in Rostock waren die größten rassistischen Ausschreitungen der deutschen Nachkriegszeit. Im nördlichen Rheinland-Pfalz war es im Dezember 1990 in Hachenburg im Westerwald zu einem ersten Nazimord gekommen: Der 17-jährige Kurde Nihad Yusofoglu wurde in der Nähe seines Elternhauses von einem Nazi-Skin erstochen. Der Prozess fand einige Monate vorher statt. Anfang August 1992, vier Wochen vor dem Mord in Koblenz, wurde in Bad Breisig im Rhein-Ahr-Kreis der Obdachlose Dieter Klaus Klein von zwei Nazi-Skins im Kurpark umgebracht.

Die Folgen der Tat
Der Täter wurde wegen Mord und siebenfachem Mordversuch zu 15 Jahren Haft verurteilt. Für die Überlebenden hatte der Vorfall teilweise schwerwiegende Folgen.
In offiziellen Statistiken der Bundesregierung zu rechter Gewalt taucht der Mord nicht auf, Frank wird nicht als Opfer rechter Gewalt anerkannt. Dies ist kein Einzelfall, die Bundesregierung erkennt offiziell, gestützt auf Daten der Polizei, nur 47 Todesopfer an, unabhängige Initiativen zählen dagegen mindestens 137 Todesopfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt seit 1990.
Bis heute gibt es in Koblenz kein würdiges, angemessenes Gedenken an die Tat und die Folgen.

Wir, die Initiative „Kein Vergessen“, fordern am Ort der Tat, dem Zentralplatz (der gerade umgestaltet wird), eine Gedenktafel, die darauf hinweist, dass an dieser Stelle im August 1992 durch rechte Gewalt ein Mensch ums Leben kam und weitere angeschossen wurden.

Hier eine PDF Version

Update

Hallo zusammen!

Lange ist auf unserer Homepage nichts passiert. Dies bedeutet nicht, dass unsere Initiative inaktiv war.
Ganz im Gegenteil: Unserer Forderung nach einer Gedenkplatte am Koblenzer Zentralplatz, welche an den Mord an Frank Bönisch erinnert, ist Ende April 2013 umgesetzt worden.

Auch sind wir in den letzten Planungen für den diesjährigen antifaschistischen Aktionstag am 24. August 2013, an dem es wieder eine Demonstration, ein Konzert und dieses Jahr auch eine Party im Anschluss geben wird.
Alle wichtigen Informationen werden ihr bald auf dieser Seite erhalten.

Vergangene Aktionen und Inhalte werden wir zukünftig in unserem Archiv sammeln. Dieses wird kontinuierlich ergänzt.
Schaut doch mal vorbei. Wenn ihr selber noch Material (Fotos, Presseberichte etc.) zu den Aktionen oder auch aus den 1990er Jahren habt, könnt ihr uns dieses gerne zukommen lassen.