Bericht Veranstaltung 2020

Auch dieses Jahr fand wieder am 24. August eine Gedenkveranstaltung für Frank Bönisch und alle Opfer von rechter Gewalt statt.

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt Gedenkplatte

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt

Dieses Jahr wurden auf dem Zentralplatz neun große Wände aufgebaut mit den Namen aller bekannten Todesopfer seit 1990 sowie Verdachtsfällen. Als Grundlage diente die Liste mit Todesopfern von der Amadeu-Antonio-Stiftung.
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/todesopfer-rechter-gewalt/

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2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt Fahrrad

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt Freiheit

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt Rede Falken Koblenz
Den Redebeitrag für die Initiative Kein Vergessen hielten dieses Jahr die Falken Koblenz. Der Kinder- und Jugendverband SJD-Die Falken Koblenz e.V. ist seit Beginn der Initiative jedes Jahr mit dabei.
Dieses Jahr übernahmen die Koblenzer Falken die inhaltliche Vorbereitung und Umsetzung.

Liebe Genoss*innen, liebe Freund*innen,
heute wurde hier vor 28 Jahren Frank Bönisch von einem Neonazi erschossen. Das geschah parallel zu den Pogromen in Rostock-Lichtenhagen und dies auch nicht zufällig. Die Coblenzer Front, eine lokale Neonazigruppe, fuhr zu den gewalttätigen Ausschreitungen. Der Täter als Teil der Gruppe blieb hier in Koblenz. Um trotzdem ein politisches Statement zu setzen, entnahm er eine großkalibrige Pistole aus dem Waffenschrank seines Vaters und ging hier auf den Zentralplatz. Der Platz sah damals anders aus und galt als Treffpunkt unterschiedlichster Menschen. Von Punks, Drug-User*innen, Obdachlosen und vielen mehr, die in seinen Augen wertlos waren. Er entleerte das gesamte Magazin auf die anwesenden Menschen. 8 wurden getroffen, 2 davon schwer verletzt und Frank Bönisch verstarb noch vor Ort. Er wurde 35 Jahre alt. Der Täter wurde wegen Mordes und 7fachen Mordversuches zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Das Gericht hat in seinem Urteilsspruch festgestellt, dass sein leitendes Motiv der Hass auf Obdachlose und sozial Randständige war. Auf der Stadtebene wurde diese Tat als rechte Gewalttat anerkannt, das fehlt aber noch auf Landes- und Bundesebene.
Nicht nur der Mord an Frank Bönisch ist staatlich nicht anerkannt. Keiner der zwei weiteren Morde in Rheinland-Pfalz wird es, weder Dieter-Klaus Klein aus Bad Breisig, der wenige Wochen vor dieser Tat totgeschlagen wurde, noch Nihad Yusufoglu aus Hachenburg, der vor seinem Familienhaus 1990 erstochen wurde. Ein Brandanschlag in Kandel 2003 mit 2 Toten gilt als Verdachtsfall.
Die Koblenzer Initiative „Kein Vergessen“ möchte an diese und andere rechte Gewalttaten erinnern. Als Zusammenschluss mehrerer Organisationen und Privatpersonen gedenken wir jedes Jahr der Tat. 2013 kam dann die Gedenkplatte. Manchen ist diese Platte aber ein Dorn im Auge und sie war 2018 Vandalismus ausgesetzt und wurde beschmiert.
Im Internet verbreiten militante Nazis heute ihre Ideologie, tauschen Techniken zum Bau von Waffen und Sprengsätzen aus und motivieren sich gegenseitig im Sinne ihrer mörderischen Weltanschauung aufs Äußerste zu gehen. Ob die Anschläge von Oslo und Utøya, das Massaker von Christchurch oder der Mord an Walter Lübcke: Sie alle sind Teil einer weltweiten Kriegserklärung militanter Faschist*innen gegen alles und jede, die in ihrem Bild der weißen Volksgemeinschaft keinen Platz hat.
Wir betrachten diese Morde nicht als Einzeltaten, sondern als zu Ende gedachte Konsequenz eines rechten Weltbildes. Wir wissen, dass die nationalsozialistische Ideologie nach 1945 weder aus der Gesellschaft noch aus den Staatsapparaten einfach verschwunden ist. Orte wie Rostock-Lichtenhagen, Hanau, Halle und viele andere sind in unserem Bewusstsein mit der Geschichte und Kontinuität des rechten Terrors in Deutschland verbunden. Wir wissen um die mörderische Realität von Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Misogynie und aller anderen menschenverachtenden Weltanschauungen. Sie zu verstehen und zu kritisieren ist ein elementarer Teil unserer Initiative. Und wir setzen uns gegen sie zu wehr. Gemeinsam und solidarisch.

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt Rede Pierre Walk for Justice
Pierre von BLM / Walk for Justice Koblenz sprach ein Grußwort. Nach der großen antirassistischen Demo mit knapp 1000 Menschen im Sommer wurde ein Verein geründet, jetzt steht eine Aktionswoche gegen Rassismus im Herbst an!

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt Rede Laura Martin Martorell
Laura Martin Martorell sprach als Vertreterin des Beirats für Migration und Integration der Stadt Koblenz. Sie berichtete von rechten Anfeindungen, von Rassismus, von Solidarität und wie es ist, mit einem großen breiten Bündnis Nazis und anderen Rechten entgegenzutreten und klarzumachen: Koblenz bleibt bunt!
Der Beirat unterstützt die Initiative Kein Vergessen.

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt Rede Sebastian Hebeisen DGB
Sebastian Hebeisen vom DGB Koblenz war Anmelder der Versammlung und musste die Corona-Regelungen bekanntgeben.
Die Initiative wird durch Koblenzer Gewerkschaften unterstützt (DGB, ver.di, IG BAU).

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt Transpi

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt Aufbau

2020 Initiative Kein Vergessen Koblenz Gedenken Frank Boenisch Todesopfer rechter Gewalt Aufbau

Flyer Initiative Kein Vergessen Koblenz 2020
Die Kunstaktion mit den Bannern war nur möglich durch eine Förderung des Bundesprogramms Demokratie Leben / Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Veranstaltung war dieses Jahr Teil der Koblenzer Wochen der Demokratie.

Bilder: Max Gerlach

Anmerkung:
Leider ist uns ein Fehler unterlaufen. Samuel Yeboah wurde am 19.09.1991 ermordet, allerdings nicht in Saarbrücken, sondern in Saarluis-Fraulautern. Wir entschuldigen uns dafür!


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